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Autor Thema: Folge 334 "Heimat"  (Gelesen 63655 mal)
Löpelmann
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« am: 22 November 2007, 13:29:28 »

Gestern abend lief diese aussergewöhnliche und mehr als gelungene Folge auf Eins Festival.

Wenn mich neben "Der erste Schnee" eine Folge emotional kitzelt, dann ist es diese.

Man kann mit Sicherheit sagen, dass "Heimat" eine der absolut besten ist. Anders als sonst spielt diese gänzlich ausserhalb von der Lindenstraße.
Benny besucht mit seiner Freundin Claudia deren Eltern, die in einem Plattenbau lebt und wird nicht gerade freundlich begrüßt.
Der Vater ist ein frustrierter Mensch, der seine Laune an allen auslässt.
Und mehr als deutlich zeigt er Benny, dass er nicht erwünscht ist, wenn er etwas interessantes sehen wollte, sollte er doch in den Münchener Zoo gehen.

Dieters Arbeitslosigkeit ist Thema und als Benny und Claudia später alleine durch die Stadt gehen, kommt zur Sprache, dass Claudia ihren Bruder an die Stasi verraten hat.
Damit hat Benny ein großes Problem und, nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten der beiden kommt, reist er alleine mit dem Zug wieder ab. Im Cliffhanger der Folge bittet die weinende Claudia ihn, die Blumen in ihrem Laden zu gießen und bleibt alleine am Bahnsteig zurück.

Die Folge hat den Charakter eines kurzen Fernsehfilms der einen entsetzlichen Blick in die DDR-Vergangenheit und die West-Ost-Probleme nach der Wende zeigt.


Die Folge "Heimat" ist eine meiner absoluten Lieblingsfolgen und wer sie noch nicht gesehen hat, sollte dies wirklich mal tun.

Übrigens: Vor kurzem las ich bei Wikipedia, dass der wunderbare Fred Delmare 85jährig in einem Pflegeheim lebt und wohl, wie man bei uns sagt, tüddelig ist, d.h. nichts mehr mitkriegt, keinen mehr erkennt usw... Schade, schade, er war ein großartiger Schauspieler. Unvergessen auch seine späteren Auftritte bei "In aller Freundschaft" '<img'>
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Autor Thema: Folge 334 "Heimat"(Gelesen 63655 mal)
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« Antworten #1 am: 22 November 2007, 13:41:38 »

Die Folge ist mir auch ganz besonders stark in Erinnerung geblieben.
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« Antworten #2 am: 28 November 2007, 22:16:23 »

Das war eine der wenigen ( <10) Folgen, die ich verpasst habe. Umso mehr freue ich mich, jetzt stolzer Besitzer einer Aufzeichnung zu sein.
Die Folge ist wirklich ein Stück deutsch-deutscher Geschichte. Und sogar Christian Kahrmann spielt richtig gut.
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Köln ist größer, als die Meisten denken.  Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets in Ost-West-Richtung beträgt 27,6 km, in Nord-Süd-Richtung etwa 28 km.
In diesem Sinne …

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« Antworten #3 am: 15 November 2008, 18:16:42 »

Das interessiertt mich auch schon lange! War es vielleicht Enya?
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« Antworten #4 am: 16 November 2008, 10:44:10 »

Ne? Jetzt echt , oder? '<img'>
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« Antworten #5 am: 16 November 2008, 16:22:25 »

oh gott. Ich wage es mir kaum vorzustellen, womit es aus urheberrechtlichen Gründen auf der DVD ausgetauscht wurde



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« Antworten #6 am: 16 November 2008, 18:32:11 »

Ich könnte nachsehen, hab aber keine Lust.
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« Antworten #7 am: 16 November 2008, 18:37:29 »

gut, dann bleibt einem wenigstens dieser kulturelle Frevel erspart  '<img'>
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« Antworten #8 am: 25 Januar 2013, 11:18:50 »

Diese ist auch meine absolute Lieblingsfolge.
Mir hat Claudia ziemlich leid getan, weil Benny sie so gar nicht verstehen konnte/wollte.
Hätte er wirklich alles besser gemacht, wenn ihn die Stasi bedroht hätte? Glaub ich nicht.
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« Antworten #9 am: 26 Januar 2013, 01:21:40 »

Benny ist in der BRD aufgewachsen und damit sollte wohl gezeigt werden, dass ein junger Wessi sich da einfach nicht reindenken kann und deswegen kein Verständnis aufbringt. Ich fand das schon schlüssig.

Und so erfuhr man auch mal was über die Machenschaften der Stasi, wenn man, wie ich damals erst 16 war und nur Lindenstraße guckte. Ich finde es aus heutiger Sicht einfach super.

Die Serie bringt den Leuten die Politik näher.
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« Antworten #10 am: 27 Januar 2013, 23:50:42 »

Der Fred ist hier aber satirisch gemeint oder? Die Folge war für mich ein völliger Griff in die Klischeekiste und schauspielerisch so dermaßen grottenschlecht und gerade Christian Kahrmann war unterirdisch...
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Tschö.

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« Antworten #11 am: 30 Januar 2013, 08:14:04 »

Also ich meine es nicht satirisch...
Klar bedienten Claudias Vater und Bruder in überspitzter Form das typische Ossi-, und Benny das Besserwessi-Klischee.
Aber die Erzählungen von Claudia über ihre Kindheit und letztendlich die Erfahrungen mit der Stasi kamen für mich sehr überzeugend rüber. Dazu dann die echten Bilder aus Borna und der Umgebung, kurze Zeit nach der Wende, das war schon echt ein bisschen beklemmend.
Für mich war das eine der stärksten Folgen überhaupt.
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« Antworten #12 am: 31 Januar 2013, 13:05:19 »

Nachdem ich die Folge noch mal gesehen hatte, fand ich aber auch, dass die ostdeutsche Nachwendetristesse etwas zu klischeehaft dargestellt wird.

Und der Gipfel war, wie dann auch noch, als Claudia Benny zum Bahnhof bringt, am hellichten Tag mitten in der Eingangshalle des Leipziger Bahnhofs eine Gruppe Nazis einen einzelnen Ausländer zusammenschlagen und alle schön drumrumlaufen und wegsehen. Nee, is klar.  sarcasm Ich muss sagen, das hat mich echt geärgert.
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« Antworten #13 am: 31 Januar 2013, 21:14:32 »

Zum Glück hab ich die Folge gut verdrängt. Kann mich aber noch erinnern, wie fürchterlich ich die damals fand. Insbesondere Christian Kahrmanns "schauspielerische Leistungen" hab ich bleibend in Erinnerung. Das muss vor seiner Zeit bei Strasberg gewesen sein  biggrin Zum Fremdschämen.
Und dann diese fürchterliche Familie...
« Letzte Änderung: 31 Januar 2013, 21:17:11 von DonMiguel » Gespeichert

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« Antworten #14 am: 31 Januar 2013, 23:23:16 »

Glückskind, dass immer ein bisschen übertrieben wird, das ist ja bei der Lindenstraße "normal". Aber trotzdem eine starke Folge.
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« Antworten #15 am: 02 Februar 2013, 18:33:26 »

Genau. "Stark" übertrieben  biggrin
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« Antworten #16 am: 22 November 2014, 16:25:18 »

Fred Delmare, "Vater Rantzow" starb übrigens am 1.05.2009 im Alter von 87 Jahren.

Die Folge "Heimat" wird schätzungsweise im Januar 2015 auf EinsFestival erneut wiederholt.
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« Antworten #17 am: 25 November 2014, 12:29:07 »

Wollen wir das sehen?
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« Antworten #18 am: 15 Januar 2015, 18:03:34 »

Die Folge läuft gerade!!!!!
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« Antworten #19 am: 16 Januar 2015, 14:24:22 »

Ich hab's mir noch mal angesehen.

Es gibt schon einiges, was gut war an der Folge. Alleine die Idee, die "Lindenstraße" mal ganz woanders spielen zu lassen, das hatte was. Und dann natürlich das Bornaische Lokakolorit ... (Ich hab übrigens bis zu dieser Folge noch nie was von "warmen Eckchen" gehört.  biggrin )

Aber die Darstellung, ich weiß nicht. Ich fand es schon etwas übertrieben, wobei die Familie wohl schon realistisch dargestellt wurde - der frustrierte Vater als absoluter Verlierer der Wende (als Benny etwas ungeschickt sagte, man müsse sich das doch alles mal selbst anschauen, konnte ich die Zoo-Bemerkung sogar nachvollziehen), die herzliche Mutter, die versucht, den Familienfrieden zu wahren ... der Dieter war mir dann fast schon wieder zuviel, wie er sich mit seinem ekligen Aufzug (Unterhemd und Bademantel  icon_yuck ) an den Esstisch setzte. So was macht man doch nicht, wenn Besuch kommt.

Den Gang durch die Stadt fand ich dann wieder ganz gut, aber ehrlich gesagt war die Szene im Amphitheater (oder was das war) doch etwas überzogen - die Mimik und das Geschrei von Claudia, und Bennys Performance hatte auch schon leicht regentanzartige Züge.

Das hier:


Und der Gipfel war, wie dann auch noch, als Claudia Benny zum Bahnhof bringt, am hellichten Tag mitten in der Eingangshalle des Leipziger Bahnhofs eine Gruppe Nazis einen einzelnen Ausländer zusammenschlagen und alle schön drumrumlaufen und wegsehen. Nee, is klar.  sarcasm Ich muss sagen, das hat mich echt geärgert.

regt mich immer noch auf.  u075

Ich wohne zwar erst seit 2004 in Leipzig, aber ich kann dieses Szenario auch für 1992 nicht vorstellen, jedenfalls nicht so: mitten auf dem Leipziger Hauptbahnhof, zwischen hunderten von Leuten, am hellichten Tag - fünf Nazis, ein Türke, und - na klar - ein Messer. sigh  

Ach ja, und noch ein Aufreger: Diese verdammten Spaghetti, was sollte das? Die "der Babba" nicht verträgt, "weilers nich kennt, verstehste?" Verdammt noch mal, es *gab* Spaghetti in der DDR , man stelle sich das vor.  biggrin

Ja, aber sonst war die Folge gar nicht schlecht. ;-)
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« Antworten #20 am: 16 Januar 2015, 14:27:32 »

Ach ja, und noch ein Aufreger: Diese verdammten Spaghetti, was sollte das? Die "der Babba" nicht verträgt, "weilers nich kennt, verstehste?" Verdammt noch mal, es *gab* Spaghetti in der DDR , man stelle sich das vor.  biggrin

Hui, und da ist die aktuelle Folgendiskussion ja wieder ganz dicht dran. So schließen sich Kreise.  Wink
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« Antworten #21 am: 16 Januar 2015, 15:13:35 »

Das dachte ich beim Schreiben vorhin auch.  biggrin
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« Antworten #22 am: 16 Januar 2015, 15:30:37 »

Zu den Nazis, die den Ausländer verprügeln: Warum ist der tolle Benny denn nicht dazwischen gegangen? Außer schlau reden konnte der auch nichts.
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« Antworten #23 am: 11 Februar 2015, 19:24:26 »

Zu den Nazis, die den Ausländer verprügeln: Warum ist der tolle Benny denn nicht dazwischen gegangen? Außer schlau reden konnte der auch nichts.

Er hat immerhin Lea gezeugt und damit einen Teil zur verdumm... ähm ...verbeimerung der Erde beigetragen.
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« Antworten #24 am: 09 März 2015, 11:31:40 »

Zu den Nazis, die den Ausländer verprügeln: Warum ist der tolle Benny denn nicht dazwischen gegangen? Außer schlau reden konnte der auch nichts.


Wenn ich dran denke wie der mit Helga umgesprungen ist und sie zur Sau gemacht hat, nur weil sie nicht sofort wieder arbeiten gegangen ist nach über 20 Jahren Hausfrauentätigkeit (er hätte ja nix dagegen wenn sie "nur" putzen gehen würde, etc...). Seltsamerweise nahm er die Annehmlichkeiten der Nur-Hausfrau Helga auch gerne in Anspruch. Ein selbstgerechter Typ.
Auch wie er Claudia angeschrien hat von wegen "ER würde seinen Bruder nie verpfeifen" - hm, wie kann man über jemanden urteilen, der so ein komplett anderes Leben geführt hat (führen musste)? Wie kann man sich SO ein hartes Urteil über jmd. bilden, ohne die genauen Hintergründe zu kennen? Wurde er nur ein einziges mal verhört? Seine ganzen Umweltaktionen (in der Schule Strom abschalten, etc.) hätten ihn in der DDR wohl ins Gefängnis gebracht...

Gruselig fand ich auch Claudias Familie und die triste Gegend. Claudias Vater wurde extrem gut dargestellt, man konnte seinen Schmerz, seine Wut, sein Resignation förmlich spüren.
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« Antworten #25 am: 09 März 2015, 12:59:21 »

Zustimmung, Elli. (Und willkommen im Forum.  smile )
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« Antworten #26 am: 09 März 2015, 13:21:08 »

Danke Glückskind, freut mich!  smile
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« Antworten #27 am: 10 März 2015, 23:24:31 »

Habe da mal ein altes Drehbuch gefunden.


Folge 761,5


-Musik-



In der Dresslerwohnung. Die Vorhänge sind vorgezogen, Ein Tisch mit der aufgebauten Modelleisenbahn steht im Zimmer, überall Gläser und Geschirr mit Essensresten, leere Weinflaschen stehen in den Zimmerecken, das Zimmer ist unordentlich und düster.

Dr.Dressler trägt Schlafanzug und Morgenmantel, er dreht an seiner Stereonalage, Wagner ist zu hören, der Gesang der Sieglinde aus der "Walküre". Es klingelt an der Wohnungstür und kurz darauf hört man einen Schlüssel im Schloß drehen.

Frau Horowitz betritt die Wohnung mit zwei schweren Einkaufstaschen.

Dr. Dressler wirft die Arme hoch.

"Ah, meine gute Fee bringt das Frühstück. Flüssig zwar, aber äußerst nahrhaft, nicht wahr. Nahrhaft für Körper und Geist - ich werde schweben und Musik hören - Harmonie!"

Er hustet, schüttelt sich, ist kurz davor sich zu übergeben.

Frau Horowitz schaut ihn vorwurfsvoll aber auch mitleidig an, reicht ihm eine Packung Underberg.

Dr. Dressler greift zittrig und gierig danach, kann aber das Papier um das Fläschchen nicht entfernen. Die Horowitz erledigt es für ihn, hält die geöffneten Fläschchen hin.

Dressler nach dem dritten Fläschchen:

"Ah, das tut gut, es ist ein Gesundheitstrank mit äusserst gesunden Kräutern, da braucht sich niemand was dabei zu denken, nicht wahr. Was, beste Frau Horowitz, halten Sie davon, wenn Sie mich heute Abend ins Casarotti begleiten. Wir machen uns einen schönen Abend, trinken ein Gläschen kühlen Wein zusammen und reden über Saufen -äh- Tauchen, hm, was meinen Sie? Natürlich werden wir auch etwas essen, natürlich - haben Sie den Cognac bekommen?"

Die Horowitz holt diverse Flaschen Cognac und Wein aus der Tasche, auch eine Flasche Vitaminsaft ist dabei und ein Glas Rollmöpse.

Horowitz:

"Im Casarotti haben Sie doch Lokalverbot, erinnern Sie sich nicht? Sie hätten Frau Pavarotti nicht ständig an den Po greifen sollen. Und daß Sie den Schaden bezahlten, den Sie mit dem Flaschenwerfen angerichtet haben, ist ja lobenswert, und Frau Pavarotti hätte ihnen auch schon fast verziehen aber da - na, das wissen sie doch sicher, das hätten sie dann nicht sagen sollen!"

Dr.Dressler setzt ruckartig die Cognacflasche ab, stiert Frau Horowitz blöde an.

Dr.Dressler:

"Was, was hätte ich nicht sagen sollen, was habe ich denn gesagt, sagen sie mir, was ich gesagt habe, sagen sie's."

Horowitz:

"Hm, nun, hm, sie wollten Frau Pavarotti die Tausend Mark nur geben, wenn sie sich auf den Tisch stellt und sie dann ihre -hm, sie wissen schon was- von unten sehen können. Sie sagten, sie wollten endlich mal wissen, warum Frau Pavarotti beim Gehen immer so komisch die Beine zusammenklemmt. Und dann fingen Sie an, an ihrem Rock herumzuzerren. Und als Frau Pavarotti ein paar Schritte von ihnen weg ging, da beschimpften Sie sie als eine alte Nutte und eine frigide Mafiaschlampe. Und das hätten sie nicht sagen dürfen, als Sie Mafia sagten, kam Fausto angerannt, nahm den Tausender und schob sie einfach raus."

Dr. Dressler setzt wieder die Cognacflasche ab. Er hat wieder etwas Farbe im Gesicht.

" Wa-was? Ach so, ja, das war ein rein medizinisches Interesse, ich wollte nur wissen, warum sie die Beine immer so komisch zusammenklemmt. Zugegeben, es fällt nicht ganz in mein Aufgabengebiet als Allgemeinmediziner, aber ich hätte gegebenenfalls eine Überweisung zu einem kompetenten Gynäkologen veranlasst, das glauben sie mir doch, verehrte Frau Horowitz?"

Horowitz:

"Sicher, Herr Doktor, sicher. Und sie wollten doch heute noch mal meinen Ar -äh- After genauer untersuchen, ob ich eine Überweisung zum Proktologen brauche. Aber bitte nicht wieder so heftig, mein Ar -äh- also das tut mir noch von gestern weh. Und danach helfe ich ihnen dann auch bei der Schreibtischarbeit - die Post und die Bankauszüge sortieren, das Testament neu schreiben - sie wissen schon, muß alles mal gemacht werden. Ach ja, ich brauche dann für die Einkäufe noch eine Kontovollmacht."

Dr.Dressler stellt die halbleere Cognacflasche auf den Tisch. Wirft die Arme euphorisch hoch:

"Machen wir, liebe Frau Horowitz, machen wir. Doch jetzt zur nötigen Untersuchung, wir wollen doch nichts verschleppen, nicht wahr."

Die Horowitz zieht den Pulli etwas hoch, öffnet den Hosenbund und dreht sich um.

-SCHNITT-

In der  "Aloisius Stub'n"

Olaf steht hinter der Theke, hat den Zeigefinger im Mund und nuckelt daran.

Olaf:

"Sakra, wo is der Fingerli und dös Leukoplast jetz wieder neigrutscht?"

Olaf stochert konzentrisch in der Schüssel mit dem Kartoffelsalat herum, findet aber ausser zwei toter Fliegen und einem Zahnstocher nichts weiter darin.

Else steht an einem Stehtisch und kaut lange, bedächtig und sorgfältig.

Olaf gibt die Suche nach dem Fingerli auf und beginnt aus Langeweile Muster in eine Leberkässcheibe zu ritzen. Im Hintergrund tönt das Kofferradio.

Else:

"Do schau, Olaf, der Dokta Dressler kimmt, der bsuffane Depp, der damische."

Durch das Fenster sieht man den glasig stierenden Dr.Dressler vorbeirollen, geschoben von einer etwas steif gehenden Frau Horowitz.

Olaf:

"Geh, Muadda, sei staad, der Herr Dokta is a verlassen worden von dera Hurn, dem Flitscherl dem lesbischen, der fangt sich scho wiada. Und iß net so vui, heit Omd gehst mit dem Olli zum Griechen, do werst schon no wos kriagn."

Else strahlt:

"Ja, Olaf, und da lassen wir dann des grauslige Viehzeich aus, gell!"

Olaf:

"Richtig, des wird unaufällig ausglassen. Der werad schaun, der Grieche, wenn d' Schwaben  in der Küchen umanadkriachen."

Else zieht langsam den durchgekauten Fingerli aus dem Mund, schaut ihn angewidert an.

Else:

"Du, Olaf, schau. Gessen hob i an Leberkas und kaut hob i auf dera Weißwurschtpellen."

Olaf schaut etwas verlegen:

"A geh', Muadda, a Weißwurscht hast gehabt, und zutzln hättst' s müssen. Jetzt geh in d' Wohnung nauf, und mach dich recht schick, der Olli kimmt glei."

-SCHNITT-

Abends vor der "Aloisius Stub'n".

Olii und Olaf stehen dicht beieinander. Olaf steckt Olli im ein kleines Päckchen zu.

Olaf:

"Du bestellst für die Else einen Griechischen Bauernsalat. In dem Packerl da ist a präparierter Schafskäs drinnen, den schaffst der Else unauffällig aufn Teller nauf, sie geht ja eh in d' Küchn, die Schwabn auslassen. Wasch dir aber die Händ, es sind Salmonellen drinnen."

Olli:

"Du, die Alte stirbt aber doch nicht, oder?"

Olaf:

"A naa, ins Krankenhaus muass auf a paar Tag, und dann macht d' Gesundheitsbehörde das Lokal dicht und mir hab an Umsatz wie noch nie. Und wenn d' Else weg is, na bestell i uns zwoa blitzsaubere Maderl, dann geht’s rund, host mi!"

-SCHNITT-


- Fortsetzung folgt vielleicht -
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« Antworten #28 am: 26 April 2018, 21:26:48 »

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Ich bin nicht ganz sicher, aber ist das nicht Harry's Game von Clannad?
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