Autor Thema: Kunst  (Gelesen 34005 mal)

Offline doli71

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Kunst
« am: 28 Mai 2008, 14:47:23 »
Ich habe gewissenhaft gesucht, ob nicht so ein Fred schon da ist, ich habe jedenfalls keinen gefunden.

Ich weiß, dass das sicher kontrovers behandelt wird.
Aber:

Ich war letztes Jahr in Bayreuth im Wagner-Haus. Da war gerade eine Ausstellung von irgendeinem Künstler, fragt mich nicht, wer.

Jedenfalls war eines seiner "Kunststücke" ein Polster eines roten Sofas, an die Wand gehängt. Das war's.

Was will der Künstler uns damit sagen und wenn ja, warum? '<img'>

Der Beispiele gibt es sicher viele, mich würden nur mal Eure Ansichten über solche Kunstwerke interessieren.

Ich bin demnächst zu einer Vernissage eingeladen, da geht es auch um abstrakte Kunst und ich hab damit so meine Probleme, vor allem auch mit den Leuten, die bei einer solchen Vernissage mit Champagnerglas und Häppchen andächtig vor einem Bild stehen, auf dem ein Kreis zu sehen ist und die sich darüber dann auch noch ernsthaft unterhalten.

Wie Ihr Euch sicher denken könnt, bin ich kein sonderlicher Ausstellungsgänger, aber Bilder, auf denen man was erkennen kann, schau ich mir schon an.

Also, bitte!
Ist das Kunst oder kann das weg?

Offline maren

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Kunst
« Antwort #1 am: 28 Mai 2008, 15:10:50 »
Mit einem roten Sofapolster wpllte der Künsterl sicher ausdrücken, dass.....
.....
hmmm......
...
also.....
....
ja also, dass.....
.......
öhhhhhm
.......
herrjee.....vielleicht hat ja mal die Queen in das Sofa gepupst und jetzt isses Kunstß

Offline doli71

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Kunst
« Antwort #2 am: 28 Mai 2008, 15:14:43 »
Wenn sie das wenigstens getan hätte. Hätte ich mal riechen sollen? ':bäh:'  '*umkipp*'
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Offline maren

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Kunst
« Antwort #3 am: 28 Mai 2008, 15:19:03 »
Das wäre dann Kunschd gewesen:

Ein Bild von Dir, wie Du die Nase ins Poster vergräbst!

Offline doli71

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« Antwort #4 am: 28 Mai 2008, 15:30:07 »
Was ich mich wirklich frage, meinen die Leute auf der Vernissage das wirklich ernst, oder ist das nur, weil es da Häppchen und Champagner gibt und sie schlau daherreden können?

Irgendjemand hat hier mal geschrieben, Malke? Kunst ist das wert, was einer dafür bezahlt. Kann ja sein. Aber ist es nicht wahnsinnig ungerecht, wenn einer z.Bsp. richtig gut zeichnen kann, dem kauft es aber niemand ab und einer klatscht Farbe auf Papier und kriegt dann 10.000 EUR??

Will denn keiner diskutieren? War jemand schon mal auf so einer Vernissage?

Ich weiß nicht, wie ich Interesse heucheln soll, will ja nicht sofort ins Fettnäpfchen treten, die Einladung ist dienstlich. '<img'>
Ist das Kunst oder kann das weg?

Offline das Glückskind

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« Antwort #5 am: 28 Mai 2008, 15:51:50 »
Quote: 
(doli71 @ 28 05 2008,15:30)

Aber ist es nicht wahnsinnig ungerecht, wenn einer z.Bsp. richtig gut zeichnen kann, dem kauft es aber niemand ab und einer klatscht Farbe auf Papier und kriegt dann 10.000 EUR??



Aber nein, genau das ist es doch.  '<img'>

Naja, diskutieren ... das ist eben ein vielschichtiges Thema.
Kunst ist m.E. nicht einfach nur dazu da, eine bzw. DIE Wirklichkeit abzubilden. Kunst soll provozieren, Grenzen sprengen, sich immer wieder neu definieren (in der Literatur zum Verfassungsrecht gibt es ellenlange Abhandlungen allein über die Frage "Was ist Kunst?" - zur Interpretation der Kunstfreiheit im Grundgesetz).

Vieles geht über meine persönlichen Geschmacksgrenzen hinaus, zB dieser Künstlertyp, der einen Menschen in seiner Ausstellung sterben lassen will (weiß grad gar nicht, was daraus geworden ist).

Und sicher gibt es diese von dir angesprochene Klientel, die aus Prinzip alles gut findet, je unverständlicher es ist. Kishon hat über diese Art von Leuten mal ein nettes Theaterstück geschrieben. Das haben wir im Schultheater aufgeführt (ich hab die Mon Chéri gespielt, hihi) , und eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Ein amerikanisches Touristenehepaar (gespielt von unserem sexy original-Ami-Englischlehrer und der ollen Musiklehrerin) steht andächtig vor einem leeren Bilderrahmen, der zufällig an der Wand hängt ("Was ist das?" "Das ist nur ein Rahmen." "Ah, Nur-ein-Rahmen")

Also ich weiß nicht, ob ich zu diesen Leuten gehöre, ich weiß nur, dass ich es mag, wenn man ein bisschen über das nachdenken muss, was man sieht oder hört. Impressionisten langweilen mich, sowohl in der Malerei als auch in der Musik (hat auch bissl was von Kitsch, finde ich). Das soll nicht arrogant klingen, das ist nur meine Meinung.


Quote: 
(doli71 @ 28 05 2008,15:30)

Ich weiß nicht, wie ich Interesse heucheln soll, will ja nicht sofort ins Fettnäpfchen treten, die Einladung ist dienstlich. '<img'>



Im Zweifel sag halt einfach nix.  ':<img:'>
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Offline doli71

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« Antwort #6 am: 28 Mai 2008, 16:00:26 »
@Glückskind, guter Tipp, ich muss nur auch auf meine Mimik aufpassen. Und hoffentlich krieg ich keinen Lachanfall.

Hurrrrz von Kerkeling hat ja auch damit was zu tun, einfach herrlich.

Mir ist schon klar, dass es da verschiedene Meinungen gibt und ich will auch nicht alles vorgekaut haben, aber eben das Sofapolster, da fällt mir nichts mehr ein.

Genauso gab es in meiner Heimatstadt einen Maler namens Schmidt-Rottluff, der malte das Bild "Schneesturm". Zu sehen war eine Bleistiftwelle, also eine Wellenlinie, gezeichnet mit einem Bleistift. Punkt. Es war ein Preisschild in der Ausstellung am Markt angebracht. 10.000,00 DM. '*umkipp*'

Das pack ich nicht. Ich kann auch nicht dafür. '<img'>

Ich muss aufpassen, dass ich da manchmal nicht gleich Wut kriege ob dieses Schmarrns. Aber wer's bezahlt, sei's drum. Aber trotzdem schade um's Geld.

Und man muss aufpassen, dass man das Wort entartete Kunst nicht erwähnt. Schlagt mich nur. '<img'>
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Offline das Glückskind

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« Antwort #7 am: 28 Mai 2008, 16:42:44 »
Quote: 
(doli71 @ 28 05 2008,16:00)

Genauso gab es in meiner Heimatstadt einen Maler namens Schmidt-Rottluff, der malte das Bild "Schneesturm". Zu sehen war eine Bleistiftwelle, also eine Wellenlinie, gezeichnet mit einem Bleistift. Punkt. Es war ein Preisschild in der Ausstellung am Markt angebracht. 10.000,00 DM.


'<img'>  Das meinte ich vorhin - die Kunst besteht ja in dem Falle nicht darin, mit Bleistift eine Wellenlinie zu zeichnen, sondern jemand zu sein, der es schafft, dass Leute ein Bild von ihm für 10.000 DM kaufen wollen, wo eine mit Bleistift gezeichnete Wellenlinie drauf ist. Ich finde das großartig.  ':<img:'>
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Offline Malke

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« Antwort #8 am: 28 Mai 2008, 16:50:35 »
Ich hab's ja das eine ums andere Mal erzählt: Ich hab vier Jahre lang Veranstaltungen organisiert, unter anderem auch diverse Kunstausstellungen. Ab und zu mach ich ein bisschen PR für befreundete Maler.

Es muss sich mir nicht auf den ersten Blick erschließen, "was das soll". Wenn es einen theoretischen Überbau gibt, der mir einleuchtet, isses auch okay. Vieles von der Kunst des 20. und 21. Jh. kann man ohne ein wenig Hintergrundwissen nicht auf Anhieb verstehen.

Ich kann aber auch aus dem Stand jeden beliebigen (Un-)Sinn in ein abstraktes Werk reininterpretieren.  '<img'> Kulturgeschwurbel reinsten Wassers. Ein bissi was von des Kaisers neuen Kleidern ist  manchmal schon dabei.

Ich denk immer an die Definition, die ein hiesiger Kneipenwirt mal abgelassen hat. Sinngemäß etwa so:

"Wenn's keiner versteht und es keinem gefällt, aber niemand es zugibt, dann isch's Kunst. Wenn's die Leute mögen und kaufen wollen, dann isch's Kunsthandwerk."  '<img'>

Offline Hamlet

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« Antwort #9 am: 28 Mai 2008, 16:59:02 »
Man sollte bitte nicht Kunst mit Kunstmarkt verwechseln.

Der Kunstmarkt hat mehr mit dem Aktienmarkt für Nebenwerte zu tun als mit Kultur.
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Offline Marcus

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« Antwort #10 am: 28 Mai 2008, 17:37:29 »
Uh, schwieriges Thema. Ich erinnere mich an end- und eigentlich auch fruchtlose Debatten, die wir damals in den Vorlesungen in Staatsrecht geführt haben. Wie Glückskind schon sagte, kann man ewig lange über den Kunstbegriff diskutieren.

Hier ein Auszug aus meiner Vorlesungsmitschrift von damals:

Kunstfreiheit

Eine allgemeinverbindliche Definition von Kunst existiert nicht. Ein genereller Definitionsversuch lautet folgendermaßen: Kunst ist alles, was nach seiner Struktur, geschichtlichen Entwicklung und allgemeinen Anschauung als ernsthafter Versuch zur Gestaltung von Wirklichkeit anzusehen ist.
 
Weiterführende, ergänzende und konkretisierende Definitionsversuche sind:
- Offener Kunstbegriff (Beuys): Kunst liegt immer dann vor, wenn ein Werk vielfältig und fortgesetzt interpretierbar ist. Indizien für ein Kunstwerk sind das Selbstverständnis des Künstlers, Reaktionen der Öffentlichkeit und sachverständige Urteile.
- Formaler Kunstbegriff: Klassische Kunst (Malen auf Leinwand oder Papier, Komponieren von Musik, Gestalten von Statuen, Schriftstellerei, etc.)
- Materieller Kunstbegriff: Kunst ist die Verarbeitung von Eindrücken und Erlebnissen bzw. von seelisch-geistigen Inhalten in freier schöpferischer Gestaltung und in einer gewissen Formensprache.

Geschützt sind der Werkbereich (der Künstler mit seiner künstlerischen Tätigkeit selbst) und der Wirkbereich (Darbietung und Verbreitung des Kunstwerkes). Der Schutzbereich ist weit zu fassen.




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Offline Malke

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« Antwort #11 am: 02 Juni 2008, 12:42:23 »
Solang's keinen Kopfschüttel-Fred gibt, parke ich die Story hier: Im US Hauptquartier meines AG haben sie "Kunscht" an die Wände gehängt. Und jetzt plärren die Amis rum, weil auch ein paar Akte drunter sind. *seufz* Wird schon nix Pornographisches sein, die Sammler waren zwei christliche alte Leutchen.

Im firmeninternen Forum schrieb einer, die sollen sich doch bitte nicht so anstellen, da würde nix gezeigt, was wir nicht alle schon gesehen hätten.

Offline nonoever

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« Antwort #12 am: 02 Juni 2008, 17:17:30 »
Achjottachjott, Malke:*ebenfalls kopfschüttel*

Amis x-raten offensichtlich alles. Ein Wunder, dass die Tischbeine in Ami-Land noch unverhüllt bleiben dürfen.
Hier wird ein Statumpel exekutiert.

Offline LaLuna

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« Antwort #13 am: 14 Juni 2008, 10:50:13 »
Hier habe ich mal - wie ich finde - beeindruckende Kunst für euch: Ich war gestern Nachmittag auf dem Sandskulpturenfestival in Berlin.

Mein persönlicher Favorit hat leider nicht gewonnen.

Offline Rennbiene

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« Antwort #14 am: 14 Juni 2008, 11:10:46 »
Schöne Fotos..

Aber sage mal, ist Nina Corti nicht schon ein bisscchen alt um noch feurig Flamenco zu tanzen?
Die muss doch schon Mitte 50 sein...??
Berlin ist größer, als die Meisten denken.  Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets in Ost-West-Richtung beträgt rund 45 km, in Nord-Süd-Richtung etwa 38 km.
In diesem Sinne …
Herzliche Grüße von Rennbiene

Offline Hamlet

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« Antwort #15 am: 14 Juni 2008, 11:35:14 »
Quote: 
(Rennbiene @ 14 06 2008,11:10)

Schöne Fotos..

Aber sage mal, ist Nina Corti nicht schon ein bisscchen alt um noch feurig Flamenco zu tanzen?
Die muss doch schon Mitte 50 sein...??


Wenn sie da sihr leben lang gemacht hat, kann sie das auch mit 60 noch machen. Beim Flamenco sind Hüften und pralles Gesäß von Vorteil, nicht von Nachteil.
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Offline LaLuna

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« Antwort #16 am: 14 Juni 2008, 13:34:48 »
Zwar hat der Hintern keinerlei Einfluss darauf, ob eine Frau in der Lage ist, Flamenco zu tanzen, wie "feurig" auch immer. Ansonsten gebe ich ihm aber Recht: In Spanien tanzen die Frauen bis ins hohe Alter Flamenco. Ob der Tanz "feurig" ausgeführt wird, hängt nicht davon ab, ob Hochgeschwindigkeitsflamenco abgeliefert wird, sondern vom Ausdruck. Der muss nichts mit dem Tempo zu tun haben.

Aber Frau Corti ist erst 55 und - wie Hamlet schon sagt - ihr Leben lang im Training. Da kann man auch in dieser Hinsicht noch mehr erwarten. Und am Ausdruck fehlte es ja auch.

Wenn sie sich nicht mehr in der Lage dazu sieht, Flamenco zu tanzen, soll sie ihre seichten Darbietungen halt anders verkaufen. Zum Beispiel à la Kurt Krömer: "Ich tanze meinen Namen."   '<img'>

Doch es ging ja hier eigentlich um die Sandskulpturen, die ich wirklich klasse finde! Könnt ihr bei diesem Beispiel ganz oben den kleinen griechischen Tempel erkennen? Ist doch allerliebst!






Offline Hamlet

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« Antwort #17 am: 15 Juni 2008, 06:59:53 »
Quote: 
(LaLuna @ 14 06 2008,13:34)

Zwar hat der Hintern keinerlei Einfluss darauf, ob eine Frau in der Lage ist, Flamenco zu tanzen, wie "feurig" auch immer.


Auf das Tanzen hat der Hintern keinen Einfluß, wohl aber auf die optische Wirkung des Tanzes.
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Offline LaLuna

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« Antwort #18 am: 07 November 2008, 20:26:19 »
Vorhin komme ich - bepackt mit Einkaufstüten - an unserem Museum für Photographie vorbei. Es läuft gerade die Ausstellung "Haare" mit Bildern von Tamara Grcic aus New York. Draußen spricht mich ein junges Mädel an: "Haben Sie Lust, ins Museum zu kommen und Photos anzusehen? Es passiert dann auch etwas!" Okay, warum nicht. Endlich passiert mal was.

Drinnen werde ich von einem jungen Mann mit Königin-Beatrix-Perücke nett empfangen und vor die Alternative gestellt: Kaffee trinken oder Fotos ansehen. Ich entscheide mich für die Fotos.

In einem kleinen Raum sind an einer Wand 57 farbige Fotographien von haarigen Hinterköpfen ausgestellt. Die einzelnen alle gleich großen Bilder sind für mein Empfinden nicht besonders aussagekräftig, stellen aber in der Gesamtheit durch die strenge graphische Zuordnung zueinander ein interessantes, optisch ansprechendes Gesamtkunstwerk dar.

Im Nebenraum unterhalten sich Königin Beatrix und eine weitere männliche Person auf englisch.

Beatrix: "Wollen wir eine weitere Aufnahme machen?"
Der Andere: "Mit der Lady nebenan?"
Beatrix: "Yes."

Ich gehe in den Nebenraum und finde Beatrix in gleißendem Scheinwerferlicht stehend vor, wie er auf englisch in eine Kamera spricht. Als ich dazu komme, verwickelt er mich in ein philosophisches Gespräch, über mir schwebt plötzlich ein Galgen mit einem riesigen Mikrophon. Beatrix dreht mir vor laufender Kamera den Rücken zu, zeigt auf seine rechte Schulter und fragt mich: "Was sagt dieser Bereich über meine Gefühle aus?"

Mir wird heiß, was nicht nur an dem zu dicken Wintermantel und dem Schal liegen dürfte. Ich stelle meine Einkaufsstüten ab, um Zeit zu gewinnen, und suche fieberhaft nach einer interessanten Antwort - und nach englischen Vokabeln.

Dann dreht er sich wieder um und schlägt mir als nächstes einen frei-assoziativen Austausch über die haarigen Fotos im Nachbarraum vor. Schweiß tritt auf meine Stirn. Ich öffne meinen Mantel und wickele meinen Schal ab. Er hat auch schon eine Idee, wie wir vorgehen werden: Er fängt an, und dann darf ich. Und erzählt:

"Als ich neulich nachts nicht schlafen konnte und an diese Ausstellung dachte, bekam ich Hunger. Ich stand auf, ging an den Kühlschrank und schmierte mir ein Brot. Als ich die Margarine auf das Brot schmierte, sah ich plötzlich ein langes Haar in der Margarine auf meinem Brot. Ich aß das Brot und spürte, wie das Haar langsam durch meinen Hals wanderte. Seitdem kann ich kein Brot mehr essen, ohne an dieses Haar zu denken."

Ich nun wohl auch nicht mehr.

Zum Abschluss bekomme ich noch einen Kaffee, eine Haarkur und ein Haargummi sowie eine Einladung für nächsten Donnerstag, wenn die Künstlerin herself anwesend sein wird. ("A very interesting person!")

Auf dem Nachhauseweg grübele ich darüber nach, was ich noch alles hätte antworten können, und wie ich mich besser auf englisch hätte ausdrücken können. Außerdem meine ich inzwischen, Ende der 90er Jahre schon einmal etwas über diese Haarfotographien gelesen und die Künstlerin in einer Talk-Show gesehen zu haben.

Im Internet erfahre ich, dass das Ganze ein Projekt unserer Kunsthochschule ist: Eine besondere Form der Kunstvermittlung, die den Besucher auf die Bühne des Ausstellungsraumes bringt.

Kunst *kann* nachhaltig sein! Es ist oft nur eine Frage der Präsentation.

Mal sehen, vielleicht gehe ich nächsten Donnerstag sogar hin.

Offline fraugerda

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« Antwort #19 am: 07 November 2008, 22:47:48 »
LOL - na das is ja mal ein lustiges Thema hier....
Insbesondere natürlich die Geschichte die LaLuna
hier zur allgemeinen Erheiterung vorgetragen hat.
Aber auch ähmja - die Sache mit dem roten Sofakissen.
Obgleich ich mich selber als "Künstlerin" bezeichne und Mitglied einer
Künstlergruppe bin, stehe ich selbst sehr oft vor
irgendwelchen obskur-abstrakten Farbkleksen und frage mich
ob das Unfall, Resteverwertung, Verarschung oder doch gewollt ist.
Besonders wenn man dann auf einem kleinem Schild einen Titel oder einen Preis entdeckt.

Bei uns hing übrigens in einem öffentlichem Gebäude fast ein Jahr ein Bild auf dem Kopf.
Obwohl es sich bei genauerer Betrachtung um einen sehr gut erkennbaren Gegenstand handelte,
der eben andersherum "gehörte".Bestimmt auch aus Sicht des oder der Künstlers/Künstlerin.
Dies führte bei mir zu regelmässiger Verwirrung und gerade als ich mich
ein bischen daran gewöhnt hatte, haben sie es ausgetauscht
gegen ein anderes, richtig herum aufgehängtes Bild.

Die weit verbreitete Meinung das Kunst das ist, was man verkaufen kann
möchte ich nicht unterstützen. Denn das hat in der Regel mehr mit Beziehungen,
Glück, Marketing und Charisma der "Kunst"-machenden Person zu tun.
In Deutschland kommt natürlich noch erschwerend hinzu ob man dafür einen "Schein" gemacht hat......

Offline doli71

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« Antwort #20 am: 10 November 2008, 10:03:37 »
@Luni, der Sinn erschließt sich mir auch nach mehrmaligen Lesen eher nicht. Ich bin ein Banause. '*umkipp*'  '<img'>

Schade, dass ich da nicht mit dabei war. '<img'>
Ist das Kunst oder kann das weg?

Offline Malke

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« Antwort #21 am: 10 November 2008, 15:25:36 »
Auf Deutsch hätte ich Herrn Beatrix sicher einen vom künstlerischen Pferd erzählen können. Ich hab jahrelang beruflich Ausstellungen organisiert, ich denk, ich hätte das noch drauf. Aber auf Englisch wäre ich spontan mächtig überfordert gewesen.

Offline LaLuna

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« Antwort #22 am: 10 November 2008, 23:29:21 »
Quote: 
(doli71 @ 10 Nov. 2008,10:03)

Schade, dass ich da nicht mit dabei war. '<img'>


Du hättest Beatrix wahrscheinlich gefragt:

"Wärüm häsdn dos Bröd ründojewürschd?"

Offline doli71

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« Antwort #23 am: 11 November 2008, 08:18:35 »
'<img'>  Ich musste das gerade 4 Mal lesen, bis ich es verstanden habe! ':p'

Ich hätte eher gesagt: "Hau doch ob, mit Deim Kunst-Mist, so wos bleeds! Hast nüscht orntliches gelernt?" ':p'
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Offline LaLuna

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« Antwort #24 am: 21 November 2008, 00:11:45 »
Bocki, ihr habt ja gerade eine interessante Ausstellung in Münster!

Sex in der Antike